„Torries wollen Armee aus Deutschland abziehen“ titelte die Zeitung “Die Welt” am vergangenen Samstag. Auch andere Medien haben diese Nachricht zwischenzeitlich aufgenommen.
Sollten die Torries die britische Kommunalwahl im Mai 2010 gewinnen, sollen die 25.000 Soldaten der Rheinarmee so schnell wie möglich nach England zurückkehren, so heißt es. Ob es dann wirklich so weit kommen wird bleibt abzuwarten. Aber da die Konservativen als fast sicherer Wahlsieger gelten, lohnt es sich, zumindest darüber nachzudenken.
Für den Rugbysport in NRW wäre dies ein herber Verlust. Gleich drei Teams der Regionalliga (Elmpt Falcons, Mönchengladbach Rhinos und Münster Marauders) rekrutieren sich aus Soldaten und Angehörigen der Rheinarmee. Und auch andere Vereine wie der RC Bielefeld oder die Lippe Lions haben traditionell viele englische Soldaten in ihren Reihen. Müssten all diese Vereine den Spielbetrieb einstellen, würde das den Verband um viele Jahre zurückwerfen.
Für mich zeigt das einmal mehr, wie wichtig es für den deutschen Rugbysport wäre, in die Breite zu fördern. Statt sich auf das utopische Ziel einer Olympiateilnahme 2016 zu versteifen, sollte der DRV ein vernünftiges Aktionskonzept zur Förderung von Vereinsneugründungen erarbeiten. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten hier aktiv tätig zu werden, und neue Vereine bei der Gründung und der schwierigen Anfangsphase zu unterstützen.
Jeder Spieler kennt die Strapazen der elend weiten Auswärtsspiele. Dabei gibt es theoretisch in jeder Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern das Potential für einen eigenen Rugbyvereine. Basis dieses Gedankengangs sind die Mitgliederzahlen des DRV bezogen auf die Gesamtbevölkerung und eine „kritische“ Mindestmitgliederzahl von 25. Angesichts der existierenden „Kleinstadt“-Vereine wie Brühl, Hürth oder Wiedenbrück durchaus realistisch.
Um beim Beispiel Nordrhein-Westfalen zu bleiben: Hier gibt es 30 Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern, jedoch nur in 12 von ihnen einen aktiven Verein. Die anderen 64% sind weiße Flecken auf der Rugbylandkarte. Würde es bis 2016 gelingen, in diesen fehlenden Städten Rugby zu etablieren, wäre das aus NRW-Sicht ein größerer Erfolg als jede Olympiateilnahme.
Alleine der resultierende mehrgliedrige Landesspielverkehr mit drei oder vier Ligen würde bewirken, dass sich viele strukturelle Probleme von alleine lösen. Die 34 NRW-Landkreise mit mehr als 250.000 Einwohnern sind hierbei noch gar nicht bedacht.
Jetzt ist Nordrhein-Westfalen als das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands nicht gerade repräsentativ. Aber insgesamt 81 Großstädte und mindestens genauso viele Landkreise entsprechender Größe zeigen deutlich, dass dieses Gedankenspiel auch für andere Bundesländer eine signifikante Verbesserung aufzeigt.