In meinem letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, wie wichtig es aus meiner Sicht ist, die Neugründung von Vereinen aktiv zu unterstützen. Nicht nur, dass durch eine größere Vereinsdichte der Spielbetrieb in den Bundesländern vereinfacht und zumindest quantitativ verbessert würde. Neue Vereine wirken zudem als Multiplikatoren in die Bevölkerung und ermöglichen auch großen Talenten den Kontakt zum Rugby, die sonst bei einem anderen Sport gelandet wären. Ein Timo Vollenkemper aus Wiedenbrück oder der ehemalige Brühler Nationalspieler André Krämer sind meiner Meinung nach gute Beispiele hierfür.
Natürlich habe ich mir schon früher Gedanken darüber gemacht, was getan werden müsste, damit in Städten wie Bochum (381 000 Einwohner), Wuppertal (356 000 Einwohner) oder Gelsenkirchen (264 000 Einwohner) Rugbyvereine entstehen können. Ich will ja nicht nur meckern
Wo liegen also die größten Probleme, wenn sich erst einmal eine ausreichend große Truppe engagierter Rugby-Enthusiasten zusammengefunden hat uns beschließt einen Verein zu gründen und aktiv am Spielgeschehen teilzunehmen? Aus meiner Sicht sind dies:
- Ein vernünftiges Gelände für den Trainings- und Spielbetrieb
- Spielkleidung (vor allem ein einheitlicher Trikotsatz)
- Sonstige Spiel- und Trainingsausrüstung (Malstangen, Polster, Fahnen, Tacklepads usw.)
- Qualifizierte Trainer
- Kenntnis der rechtlichen Aspekte (Vereinsrecht, Vereinsgründung und Satzung, Versicherungen usw.)
- Budgetplanung und Kostenkalkulation
- Bekanntheitsgrad
Zum Teil sind hier bereits die Landesverbände unterstützend tätig. Aber all die Ehrenamtler oder Teilzeit-Geschäftsstellenleiter (die sich nebenbei noch um die sonstigen Belange des Verbandes kümmern müssen) können bei allem Engagement vermutlich nie dieselbe Leistung erbringen, wie es ein Koordinator auf höchster Ebene (sprich beim DRV) mit entsprechenden Kompetenzen und einem eigenen Budget könnte.
Was könnte dieser „Koordinator“ als tun?
- Unterstützung des neuen Vereins gegenüber Stadt und Politik bei der Suche nach einem geeigneten Gelände. Sei es durch ein offizielles Schreiben oder bei einem Termin vor Ort. Jeder, der schon einmal als Bittsteller beim Sportamt o.ä. gesessen hat, mag sich vorstellen wie dieser Termin gemeinsam mit einem Claus-Peter Bach oder Peter Ianusevici gelaufen wäre.
- Beratung und Begleitung des neuen Vereins bei den Formalitäten der Vereinsgründung, wie der Erarbeitung der Satzung und der Eintragung ins Vereinsregister, Aufnahme in den Landessportbund, Abschluss der notwendigen Versicherungen. Unterstützung bei der betriebswirtschaftlichen Budgetplanung und bei der Festlegung der Mitgliedsbeiträge.
Eventuell auch Leitung der offiziellen Gründungsversammlung, um der Versammlung mehr Gewicht zu verleihen und zur besseren Darstellung in der Presse - Bereitstellung eines Starter-Pakets „Spielverkehr“ zur Miete oder zum Leasing durch den Verein (z.B. 2 Rugbytore, 1 kompletter Trikotsatz, Fahnenstangen). Hier könnte der DRV in größerem Umfang zu günstigeren Konditionen einkaufen. Durch die Miet- bzw. Leasingeinnahmen würden die Anschaffungen langfristig gegenfinanziert. Im Gegenzug würde der neue Verein weniger Startkapital benötigen und könnte die Ausrüstung stattdessen über monatliche Raten finanzieren.
- Rabatte auf die Verbandsabgaben in den ersten Jahren nach der Gründung.
- Trainer Crash-Kurse oder das Angebot von Intensiv-Einführungstrainings, um den Verein in die Lage zu versetzen, zumindest Basisübungen durchzuführen.
- Engagement von Verbandsfunktionären vor Ort bei Aktionen im Rahmen der Vereinsgründung. Durch eine entsprechende Einbindung kann dieses Engagement effektiv im Rahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden, und den Aktionen des neuen Vereins mehr Gewicht geben und die Aufmerksamkeit erhöhen.
Einige dieser Gedanken sind rein theoretischer Natur und es gibt sicherlich eine Reihe von Argumenten, die sie wiederlegen. Aber andere werden in konkurrierenden Sportarten bereits erfolgreich durchgeführt. Ein gutes Beispiel hierfür ist Unihockey, eine in Deutschland relativ neue Sportart, die in den 12 Jahren seit der Gründung des Bundesverbandes auf 5.900 Mitglieder und 148 Vereine (Stand 1.1.2009) angewachsen ist. Bei einem Sponsorengespräch in unserem Unternehmen wurde der Vereinsvorsitzende gleich von einem Funktionär des Bundesverbandes begleitet, der sich für den neuen Verein ins Zeug legte. So geht es auch…