7er-Rugby kurz vor der Aufnahme ins das olympische Programm
Jetzt hat Rugby also den ersten wichtigen Schritt in eine bessere Zukunft geschafft. Am vergangenen Donnerstag entschied sich das IOC-Exekutivkommitee bei seiner Sitzung in Berlin für 7er-Rugby und Golf als Kandidaten für die Olympia-Aufnahme für die Spiele 2016.
Bei der Abstimmung für die Olympischen Spiele 2012 scheiterten Squash und Karate noch an der damals notwendigen 2/3 Mehrheit, wodurch zwei der eigentlich geplanten 28 Sportarten weggefallen sind.
Da das IOC anstrebt, ab 2016 wieder mit einem vollständigen Teilnehmerfeld aufzuwarten, dürfte die Annahme von Rugby und Golf auf der Vollversammlung am 9. Oktober 2009 in Kopenhagen deshalb wohl nur noch eine Formsache sein. Zumal diesmal die einfache Mehrheit ausreicht.
Für die deutsche Rugbygemeinde würde dies sicherlich einen großen Entwicklungsschritt bedeuten. Claus-Peter Bach, Präsident des Deutschen Rugbyverbandes, hat im Rugby-Journal bereits erste Vorstellungen des DRV genannt. Wie groß dieser Schritt wirklich sein wird, muss allerdings erst die Zukunft zeigen. Andere z.T. langjährige olympische Sportarten wie Teakwondo, Bogenschießen, Badminton oder Baseball suhlen sich bis heute nicht gerade in der öffentlichen Aufmerksamkeit und werden außerhalb von Olympia kaum wahrgenommen.
Zumindest die finanziellen Probleme des DRV dürften aber bald der Vergangenheit angehören. Denn mehr als die bisherigen 25.000- € / Jahr an Fördergeldern, die der Staat zur Verfügung stellt, werden zukünftig sicherlich fließen und die weitere Professionalisierung des Sports vorantreiben.
Ich bin sehr gespannt, wie viel von diesem “Geldsegen” letztlich bei den kleinen Vereinen ankommt und wie viel in die Verbesserung der allgemeinen Verbandsstrukturen fließt.
Der Ausbau der Trainer-, Schiedsrichter- und Lehrerausbildung mit regelmäßigen Terminen in jedem Bundesland wäre eine tolle Sache. Dann müsste man als Förderverein einem interessierten Sportlehrer auch nicht mehr erklären, dass man sich zwar sehr über sein Interesse am Rugbysport freut und auch selbstverständlich die Kosten für eine Lehrerfortbildung übernimmt, der nächste Termin aber leider erst in 9 Monaten in Hannover, Heidelberg oder Berlin stattfindet.
Vielleicht gibt es ja auch ein Förderprogramm für Vereinsneugründungen. Meiner Meinung nach einer der wichtigsten Aspekte, um Rugby in Deutschland voranzubringen. Denn aktuell sind die sportlichen, organisatorischen und nicht zuletzt die finanziellen Hürden viel zu hoch. Alleine in Nordrhein-Westfalen gibt es 30 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, die zumindest theoretisch (und angesichts der vielen kleineren Städte, in denen schon seit Jahrzehnten mehr oder weniger erfolgreich Rugby gespielt wird) das Potential für einen eigenen Rugbyverein besitzen. 18 von ihnen (also 60%) gehören jedoch bis heute zur Rugby-Diaspora. Wie die Quote bei den insgesamt 81 deutschen Großstädten aussieht weiß ich nicht, sie dürfte jedoch ähnlich hoch sein. Hier liegt noch ein Riesenpotential, dessen Aktivierung sich auf alle Bereiche des deutschen Rugby auswirken würde.
Aber ich will nicht meckern. Denn eines steht fest. Wenn die Aufnahme in die Gruppe der olympischen Sportarten gelingt, wird zwar nicht alles gut, aber mit Sicherheit vieles besser…