Auf fast jeder deutschen Rugbyseite im Internet kann man nachlesen, dass der Rugbysport entstanden ist, als William Webb Ellis im Jahre 1823 bei einem Fussballspiel den Ball in die Hand nahm und ins gegnerische Tor trug. Selbst Wikipedia greift diese Geschichte auf, wenn auch mit gewissen Vorbehalten. Dass auch der Weltpokal der Rugby Union nach Webb Ellis benannt ist, gibt der Sache zusätzliche Legitimation.
Und sie klingt ja auch gut. Haben wir es den “Rundballern” doch mal so richtig gezeigt.
Aber ist die Geschichte auch wirklich wahr? Oder vielleicht doch nur eine urbane Legende, die sich immer weiter entwickelt hat, eben weil sie so gut klingt? Bisher hatte ich daran keine Zweifel. Schließlich saugt man als Rugbyinteressierter in Deutschland diese Legende bildlich gesprochen mit der “Muttermilch” auf.
Aber jetzt habe ich zufällig auf der Internetseite www.diplomarbeiten24.de die Diplomarbeit von Robert Zech entdeckt. Unter dem Thema “Rugby unter klassenspezifischen Gesichtspunkten” befasst er sich unter anderem mit der Entwicklung von Rugby und Fussball aus den pädogogischen Bemühungen der britischen Public Schools des 19. Jahrhunderts heraus. Zu dieser Zeit versuchten die großen britischen Public Schools (darunter auch die der Stadt Rugby) die chaotischen sportlichen Wettkämpfe mit bis zu 100 Teilnehmern auf jeder Seite, die die Schüler in ihrer Freizeit austrugen, für ihre Erziehungsziele zu instrumentalisieren.
Eine der ersten Regeln war übrigens das Verbot von Schußwaffen und Hunden auf dem Spielfeld… ![]()
Aber lest am Besten selbst. Interessant ist vor allem Kapitel 3.
Ich persönlich fand diesen Text sehr spannend. Aber ganz ehrlich: Wenn mein Sohn eines Tages so alt ist, dass er mich fragt, wie Rugby entstanden ist, werde ich ihm selbstverständlich erklären, dass damals im Jahre 1823 ein Schüler namens William Webb Ellis während eines Fussballspiels…
In diesem Sinne wünsche ich allen Rugbypapas einen schönen Vatertag.